10 Fragen zum Jugendschutz im Internet
1.
Was ist das Internet und welche Möglichkeiten bietet es?
Das Internet ist die Verbindung von vielen Computern
auf der ganzen Welt, über die Mitteilungen und Informationen hin und
her geschickt werden - Texte, Bilder, Videos oder auch Musik. Mit
Hilfe eines Programms („Browser“) können die Texte und Bilder auf
dem Bildschirm dargestellt werden. Fast alle großen Firmen, Institutionen,
Popgruppen und Fernsehsender sind im Internet vertreten. Auch kann
man über das Internet zeitgleich mit anderen Menschen kommunizieren
(„chatten“) oder Spiele spielen. Newsgroups sind wie Schwarze Bretter,
auf denen Neuigkeiten, Meinungen oder Informationen angebracht werden,
zu denen andere wiederum Kommentare abgeben können. Man kann sich
im Internet auch selbst präsentieren, indem man etwa eine Homepage
einrichtet, auf der man sich und seine Hobbys vorstellt. Andere können
sich dann über das WWW diese Seite ansehen und Kontakt aufnehmen
2.
Was macht das Internet so attraktiv für Kinder?
Da Kinder neugierig sind, gerne spielen und kommunizieren
bietet ihnen das Internet vielfältige Möglichkeiten. Sie können sich
über schulische Themen und ihre Hobbys informieren oder das Neueste
über ihre Stars erfahren – und das aus der ganzen Welt. Mit Hilfe
von E-Mails - der elektronischen Post - können sie schnell mit Kindern
in anderen Ländern ihre Erfahrungen austauschen. Ältere Kinder bzw.
Jugendliche finden das Chatten toll, weil sie da über das Internet
mit anderen Quatschen oder auch in andere Rollen schlüpfen können.
Damit können sie sich erproben und verschiedene Identitäten ausprobieren.
Das Internet bietet eine gute Möglichkeit, mit Freunden und Gleichaltrigen
in Kontakt zu bleiben, auch wenn man nicht direkt mit ihnen zusammen
sein kann. Und natürlich gibt es im Internet für alle Altersgruppen
zahlreiche Spiele.
3.
Ab welchem Alter ist das Internet für Kinder sinnvoll?
Viele Dinge, die man im Internet tun kann, setzen voraus,
dass man Lesen bzw. Schreiben kann. Aus diesen Gründen ist das Internet
erst für Kinder im späten Grundschulalter sinnvoll. Da aber auch viele
Bilder, Animationen oder sogar Videos gezeigt werden, können sich
auch schon jüngere Kinder ausgewählte Webseiten ansehen, in denen
etwa über mittelalterliche Burgen oder über Dinosaurier berichtet
wird oder wo man über eine Kamera Tiere in Afrika beobachten kann.
Auch haben viele Fernsehsender ihre Kindersendungen im Internet. Vorschulkinder
können zusammen mit ihren Eltern solche Internetseiten anschauen,
um zu sehen, welche Themen in der Lieblingssendung ausgestrahlt werden.
4.
Wie lange sollte mein Kind das Internet nutzen?
Da das Internet nicht wie ein Fernsehprogramm oder eine
Hörkassette mit einer deutlich zeitlichen Begrenzung arbeitet, muss
man Kindern andere zeitliche Grenzen setzen. Zum einen ist natürlich
ein grober Rahmen schon sinnvoll, der bei Vorschulkindern zwischen
einer viertel und einer halben Stunde pro Internetbesuch liegen sollte,
bei Kindern im Grundschulalter bei bis zu einer Stunde liegen kann.
Zum anderen sollte man die Nutzung des Internets auch thematisch bzw.
inhaltlich begrenzen, z.B. auf die Webseite der Lieblingssendung oder
ein paar Spiele im Internet. Klar begrenzen sollte man bei älteren
Kinder die Zeit, die sie beim Chatten verbringen. Denn oftmals merken
sie nicht, wie lange sie da schon mit anderen quatschen. Eine Stunde
kann hier schon ausreichend sein. Längere Zeiten gehen zudem ins Geld.
Mit zunehmendem Alter der Kinder kann man die festgelegten Regeln
lockern bzw. neue Vereinbarungen zur Nutzung des Internets treffen.
5.
Welche Inhalte speziell für Kinder gibt es im Internet?
Die Angebote für Kinder lassen sich in drei Bereiche
unterteilen: Da gibt es private Webseiten, in denen Kinder oder Erwachsene
z.B. ihre Hobbys vorstellen. Daneben existieren Webseiten von Vereinen,
Organisationen oder gemeinnützigen Einrichtungen, die vielfältige
Informationen und kinderspezifische Themen sammeln und kindgerecht
aufarbeiten. Dazu zählen etwa die mit ökologischen Themen versehenen
Kinder-Seiten von Greenpeace, die Angebote für Kinder der Fernsehsender
oder auch sogenannte Kinderportale bzw. Suchmaschinen. Und dann gibt
es noch Webseiten von kommerziellen Anbietern, die vor allem auf ihr
Produkt aufmerksam machen wollen. Für Eltern wie für Kinder ist es
nicht immer einfach, die guten von den weniger guten Angeboten im
Internet zu unterscheiden. Hier ist es wichtig, dass sich Eltern selbst
einen Eindruck von den unterschiedlichen Angeboten verschaffen, bevor
vor allem jüngere Kinder das Internet nutzen.
6.
Was sind Kinderportale und für was sind sie gut?
Kinderportale sollen Kindern eine Einstiegsmöglichkeit
in das Internet bieten. Die Themen dort sind speziell ausgewählt und
aufbereitet. Alle Hinweise auf andere Webseiten werden auf mögliche
problematische Inhalte geprüft. Auch kann man in diesen Portalen erste
Versuche mit Email und Chatten unternehmen oder eine eigene Homepage
einrichten. Dazu bekommt man meistens einen extra Namen, damit niemand
die richtige Adresse erfährt. Kinder erfahren dort auch, welche Regeln
man im Internet und beim Chatten einhalten sollte. Wichtig ist hierbei,
dass das Chatten von Erwachsenen überwacht bzw. moderiert wird, die
darauf achten, dass diese Regeln eingehalten werden.
7.
Ich habe keine Ahnung vom Internet. Was soll ich da machen?
Viele Erwachsene sind erstaunt, wie unbefangen und zum
Teil kompetent Kinder mit Computer und Internet umgehen. Haben Sie
keine Scheu, sich von jemandem zeigen zu lassen, wie man in das Internet
kommt und was man da alles machen kann. Oft können Verwandte bzw.
Bekannte weiterhelfen. Oder besuchen Sie einen Kurs an der Volkshochschule.
Ergänzend dazu kann man sich auch Bücher kaufen oder Lernprogramme
auf CDROM. Geben Sie ruhig zu, dass Sie hier wenig Ahnung haben. Vielleicht
lassen Sie sich ja von ihren Kindern zeigen, wie das Internet funktioniert.
Das gemeinsame Erfahren und Stöbern macht Spaß und bringt Kinder und
Eltern zusammen.
8.
Ich habe von gefährlichen Sachen für Kinder im Internet gehört. Stimmt
das?
Es werden dort viele Sachen angeboten, die nicht immer
jugendfrei sind. Viele Politiker und Pädagogen versuchen zwar, diese
Angebote einzudämmen, da aber die Computer, auf denen diese zweifelhaften
Angebote lagern, meist nicht in Deutschland stehen, ist es schwierig,
hier rechtlich einzugreifen. Zu den problematischen Inhalten zählen
u.a. Pornografie, rechtsradikale Seiten sowie Aufrufe zu Gewalttaten.
In Deutschland gibt es einen strengen Jugendmedienschutz, und es wird
versucht, solche Webseiten ausfindig zu machen und deren Veröffentlichung
im Internet zu unterbinden. Insgesamt überwiegen aber die nützlichen
und informativen Angebote im Internet, von denen auch Kinder profitieren
können. Sicher sollte man vor allem jüngere Kinder nicht unbeaufsichtigt
in das Internet lassen, hier wird man als Eltern noch viel Verantwortung
übernehmen und sich gut über die Probleme informieren müssen.
9.
Wie kann ich meine Kinder vor zweifelhaften Angeboten schützen und was
ist vonFiltersoftware zu halten?
Schauen Sie sich die Webseiten, die ihre Kinder besuchen
wollen, selbst an und achten sie vor allem auf die Verweise („Links“)
zu anderen Webseiten, um nicht auf den problematischen Seiten zu landen.
Emails sollte man nur an Leute schicken, die man wirklich kennt und
nicht an Fremde. Auch ist es wichtig, den Kindern klar zu machen,
niemals über das Internet das Alter, den Nachnamen, die Adresse oder
eine Telefonnummer preis zu geben. Vielfach wird auch sogenannte Filtersoftware
angeboten. Dies sind Programme, die bestimmte Webseiten mit zweifelhaften
Angeboten ausfiltern, d.h. nicht zugänglich machen. Untersuchungen
haben aber gezeigt, dass diese Filter nicht immer halten, was sie
versprechen. Vielmehr erscheint es sinnvoll, mit jüngeren Kindern
gemeinsam in das Internet zu gehen und mit älteren Kindern auch über
die problematischen Bereiche zu sprechen. Relativ sicher sind ausgewählte
Kinderportale.
10.
Welche Rolle spielen Werbung und eCommerce für Kinder im Internet?
Viele Anbieter von Informationen wollen natürlich Geld
verdienen und setzen dazu Werbung ein. Gerade für jüngere Kinder ist
es oftmals nicht einfach, Werbung als solche zu erkennen. Schnell
führt ein im Internet angebotenes Gewinn-Spiel dazu, dass man seine
Adresse preisgibt. Dann ist man natürlich schnell in der Adresskartei
dieser Firmen. Der sogenannte eCommerce erlaubt das Einkaufen über
das Internet. Zwar ist das noch kaum verbreitet, wird in Zukunft aber
eine große Rolle spielen. Da Kinder noch nicht geschäftsfähig sind,
müssen die Eltern dazu ein Konto einrichten, von dem das Eingekaufte
abgebucht werden kann. Ware aus dem Internet kann vorher nicht angesehen
werden, auch sind die Angebote meist nicht besonders preisgünstig.
Wenn wir Kindern im Alltag gestatten, für ihr Taschengeld das zu kaufen,
was sie wollen, dann möchten sie dies vielleicht auch gerne im Internet
tun. Wer dies erlaubt, sollte vor allem darauf achten, dass es sich
um seriöse Anbieter handelt, die etwa mit großen Banken zusammen arbeiten.
Diese Fragen und Antworten entstammen dem Infoset "Internet"
aus der Reihe „Medienkompetenz und Medienpädagogik
in einer sich wandelnden Welt“ des Medienpädagogischen
Forschungsverbundes Südwest. Unter www.mpfs.de
finden Sie weitere Hefte aus dieser Reihe zum Download oder zum Bestellen.
